Wir wollen keinen John Wayne!

GoodGuywithGunIm Rahmen der andauernden Debatte über Waffenkontrolle in den USA bringt die NRA – die amerikanische Waffenlobby – immer wieder gerne ein und das gleiche Argument vor: nur ein Guter mit einer Waffe kann einen Bösen mit einer Waffe stoppen. Gerne wird das mit einer hypothetischen Situation verbunden, in der man selbst irgendwo ist – z.B. in einem Einkaufszentrum oder einem Kino – und sich plötzlich einem durchgedrehten Psychopathen mit einer Waffe gegenübersieht. Würde man sich in einer solchen Situation nicht wünschen, dass noch jemand im Saal eine Waffe hat, anstatt nur der Psycho?

Meine Antwort? Ganz klar: NEIN! Ich will keine weitere Waffe im Raum haben, denn das würde meine Chancen erschossen zu werden effektiv verdoppeln. Wir leben nicht in einem Hollywood Film, wo der einsame Held in einem mit panischen Menschen erfüllten Raum mit einem gezielten Schuss den Bösewicht ausschaltet und damit den Tag rettet. So funktioniert das in der realen Welt nicht.

Polizisten müssen Jahre der Ausbildung über sich ergehen lassen, bevor man auch nur daran denken würde, sie in eine Situation zu schicken, wo ein bewaffneter Krimineller und etliche Unschuldige auf engem Raum zusammengepfercht sind. Spezialeinheiten der Polizei überlegen fünfmal bevor sie in einer Geiselsituation den Befehl geben zu stürmen.

Wieso also sollte ich wollen, dass irgendein Typ, der vielleicht einmal die Woche auf dem Schießstand auf ein unbewegliches Ziel feuert, sich für John Wayne hält, aber mindestens genauso nervös und panisch ist wie jeder andere in dem Saal, seine Waffe zieht und anfängt rumzuballern? Die Chancen dass er den Bösewicht trifft sind im besten Fall genauso hoch wie die, dass er einen Unschuldigen trifft. Und falls der Bösewicht vorher vielleicht noch nicht entschlossen war rumzuballern, jetzt ist er es auf jeden Fall. Und vielleicht kommt in diesem Moment die Polizei und denkt, sie sieht sich zwei Bösewichten gegenüber. Oder ein Dritter im Raum hat eine Waffe und schießt auf beide.

Jede Situation in der viele Menschen zusammen sind ist von Natur aus instabil. Panik kennt keine Regeln. In solch einer Situation brauche ich ganz sicher nicht noch ein weiteres Zufallselement, ganz besonders keinen Möchtegern-Helden.

Man möge mich korrigieren, wenn ich mich irre, aber ich weiß von KEINER EINZIGEN Situation in den letzten Jahren oder gar Jahrzehnten, wo ein austickender Psycho mit einer Waffe von einem sog. „Guten“ mit einer Waffe gestoppt wurde, der kein Polizist war. Ich habe aber von zahlreichen Situationen gelesen, wo auch bewaffnete Leute von einem Psycho mit einer Waffe umgebracht wurden. Entweder weil sie überrascht wurden, in Panik gerieten, mit der Waffe nicht umgehen konnten, oder aus einer Kombination dieser und anderer Gründe.

Der Mythos des einsamen „Guten“, der mit seiner (wahrscheinlich noch einen Namen tragenden) Pistole im Schulterholster zufällig zur falschen Zeit am richtigen Ort ist und einen „Bösen“ stoppt, bevor dieser ein Unheil anrichten kann, ist genau das: ein Mythos. Sowas gibt’s in Holllywood Filmen, Fernsehserien und Büchern. In der richtigen Welt ist jede Situation, in der Menschen und Waffen aufeinander treffen, brandgefährlich, oft tödlich, und wird durch jede weitere Waffe nur noch schlimmer. Solange wir leider in einer Welt leben, in der es Waffen gibt, gehören diese in die Hände von ausgebildeten Spezialisten und nicht in die schwitzenden, zitternden Hände von panischen Möchtegern-Helden.