Beschützt die Ehe … vor der Bigotterie!

Während in den USA eine hitzige Diskussion über die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe läuft und momentan sogar eine Verhandlung vor dem Obersten Bundesgericht zu dem Thema ansteht, ist hier in Deutschland die Gleichstellung schon mehrfach gescheitert, jedesmal am Widerstand der CDU. Es gibt zwar eingetragene Partnerschaften mit eheähnlichem Charakter, allerdings fehlen diesen so einige Rechte und Privilegien der Ehe, u.a. steuerlich und beim Adoptionsrecht. Aber warum tun wir Deutschen uns mit diesem Thema fast genausoschwer wie die tiefreligiös-puritanischen Amis, während z.B. im erzkatholischen Spanien die Homo-Ehe längst gesetzlich gleichgestellt ist?

Eines der häufigsten Argumente von Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe ist, dass damit die traditionelle Ehe geschädigt wird. Wie genau dieser Schaden aussieht und wieso es ein heterosexuelles Paar in irgendeiner Weise betreffen sollte, wenn zwei Häuser weiter zwei miteinander verheiratete Männer leben, konnte mir zwar noch niemand verdeutlichen, aber sei’s drum.

Tatsache ist aber, dass dem traditionellen Wert „Ehe“ eine viel größere Gefahr droht, nämlich die, dass sie durch die Engstirnigkeit und Bigotterie selbsternannter Wertebewahrer schon in relativ kurzer Zeit in der Bedeutungslosigkeit versinken könnte.

Ich selbst bin verheiratet, glücklich verheiratet und ein großer Fan der Institution Ehe. Die Ehe, die Selbstverpflichtung zweier Menschen füreinander da zu sein, in guten wie in schlechten Zeiten, ist eine wirklich tolle Sache. Sie sollte dann eingegangen werden, wenn zwei Menschen wirklich fest entschlossen und überzeugt sind, für den Rest ihres Lebens füreinander da zu sein. Viele Ehen werden leider aus falschen Gründen geschlossen und brechen wieder auseinander, aber das ändert nichts an der dahinter stehenden Idee, die nach wie vor Bestand hat.

In Zeiten demographischen Wandels und einer immer heterogeneren Kultur ist es besonders wichtig, dass dieser traditionelle Wert bewahrt wird. Die Idee dass zwei Menschen einander lieben und sich gegenseitig ewige Treue schwören ist bei weitem nicht überholt. Sie ist einer der Grundpfeiler unserer Gesellschaft und gerade in diesen Zeiten, wo sich viele Menschen mehr und mehr isoliert fühlen und immer größerem Druck im Beruf ausgesetzt sind, ist sie wichtiger denn je. Die Ehe wird aber als Institution nicht überleben, wenn man sie für beliebig definierte Bevölkerungsgruppen unzugänglich macht. Denn wenn die Ehe für viele Menschen ohnehin außen vor ist, weil es ihnen nicht gestattet ist, sie mit dem Menschen den sie lieben zu schließen… warum sollte sie dann überhaupt wichtig sein?

Die traditionelle Ehe wird keinen Schaden dadurch nehmen, dass man sie auch Homosexuellen öffnet. Im Gegenteil. Sie wird dadurch an Wert gewinnen, denn sie steht auf deutlich breiterem Fundament. Es ist heute kaum noch vorstellbar, dass es vor gar nicht langer Zeit noch verboten war, dass Menschen unterschiedlicher Hautfarbe heiraten. Oder unterschiedlichen Glaubens. Warum also ist es für viele ein solches Stigma, das Menschen gleichen Geschlechts heiraten könnten?

Wenn die Ehe im 21. Jahrhundert noch dauerhaft eine Rolle spielen soll, dann muss sie sich darüber definieren, was die in ihr vereinten Menschen fühlen, wozu sie sich gegenseitig freiwillig verpflichten. Niemand darf zur Ehe gezwungen werden, aber genauso darf sie niemandem zwingend vorenthalten werden. Wenn zwei Menschen sich aufrichtig lieben und dauerhaft aneinander binden wollen, dann ist das Ehe.

Und hoffentlich werden auch Gesetz und Religion das irgendwann lernen.