Review Rex: Transformers Prime – Die 2. Staffel

Review Rex: Transformers Prime – Staffel 2

Die zweite Staffel von Transformers Prime ist vorüber und somit ist es Zeit mal wieder eine Bilanz zu ziehen. Nachdem ich am Ende der ersten Staffel zwar interessiert aber auch leicht gelangweilt war, ob der soliden aber wenig originellen Unterhaltung, die mir dort geboten worden war, hatte ich ja einen kleinen Wunschzettel für die 2. Staffel erstellt. Mal sehen, was davon erfüllt wurde:

Abwechslungsreichere Szenerie, gerne auch mal auf Cybertron

Bei den frühen Folgen in Staffel 1 hatte man ja das Gefühl, das Animationsbudget sei komplett für die Transformers selbst draufgegangen, denn ihre Umgebung wirkte simpel, leer und recht billig. Besserung in Staffel 2? Ja, schon. Jetzt nicht sensationell, aber doch eine stetige Verbesserung, sei es beim Kampf in Wald wo man individuelle Blätter vom Baum rieseln sieht oder auch die extrem detaillierten Landschaften auf Cybertron. Was weiterhin ein Problem ist, ist die extreme Leere in punkto Bevölkerung. Denn außer den Kiddies, Agent Fowler und diversen MECH Agenten scheint es keine Menschen auf der Erde zu geben. Andererseits aber liegt der Fokus ja auf den Transformers, die sich vor den Menschen verbergen, insofern geht das ok. Insgesamt also: Wunsch zumindest teilweise erfüllt.

Mehr Fokus darauf, was eigentlich die langfristigen Pläne von Bots und Cons sind

Leider gibt es hier kaum Verbesserung, da sich die Ziele der jeweiligen Gruppen weiterhin darauf beschränken, möglichst viel Kram anzusammeln (in Staffel 1 anfangs noch Energon, inzwischen hpts. Artefakte) und ggf. noch die jeweils andere Partei zu vernichten, aber ansonsten? Keine Ahnung. Hier fehlt weiterhin ein wenig die Zielrichtung für mich. Gegen Ende der Staffel wird zwar die Wiederbelebung von Cybertron zum erklärten Ziel, aber eigentlich nur als Zufallsprodukt, weil man Artefakte findet (siehe unten), die das ermöglichen würden. Na ja, wenn wir schon die Gelegenheit haben…

Weniger cybertronische Zaubergegenstände der Woche

Was soll ich dazu noch sagen? Hatten wir in Staffel 1 noch in ca. jeder zweiten Folge irgendein wie auch immer ausgestattetes Artefakt von Cybertron als Ziel der Handlung, so ist dieser Trend in Staffel 2 nicht nur nicht beendet worden, nein. Er wurde ausgebaut. Gefühlte 99% der 2. Staffel drehen sich darum, irgendwelche Artefakte zusammen zu sammeln, die alle mit irgendwelchen übermächtigen Superfähigkeiten ausgestattet sind (die Mystifizierung von Technologie ist mir eh ein Dorn im Auge) und bis auf wenige Ausnahmen nach einer Folge in irgendeiner Kammer verschwinden und bis zum Staffelfinale nicht mehr rausgeholt werden. War das bei der Armada TV Serie noch ein Marketing Ding (man konnte den Minicon der Woche halt immer käuflich im Laden erwerben), so ist es hier einfach nur ein langweiliges Story-Konstrukt.

Dass Optimus’ Gedächtnisverlust / Rückentwicklung zu Orion Pax sich nicht nach einer Folge wieder relativiert.

Das Staffelfinale der ersten Staffel sah, wie Optimus Prime nach dem Sieg über Unicron sein Gedächtnis verliert und sich wieder für Orion Pax hält, einen guten Freund von Megatron von vor dem Krieg. Und nein, das ganze wurde nicht nach einer Folge wieder relativiert… sondern nach drei Folgen. Dafür aber komplett relativiert, denn wo sich Orion Pax nicht an seine Existenz als Optimus erinnern konnte, hat Optimus danach alles vergessen, was er in den drei Folgen als Orion Pax unternommen hat. Insofern: alles wieder auf Anfang und völlig ohne jede Konsequenz.

Storylines

Überhaupt ist für mich die Hauptverfehlung von Transformers Prime weiterhin, dass der Serie der Mut fehlt, irgendwas Neues auszuprobieren. Oder nein, stimmt nicht ganz. Es wird vieles ausprobiert, aber niemals weiterverfolgt. Neben der Orion Pax / Optimus Sache hier noch ein paar weitere Beispiele:

  • Über etliche Folgen sehen wir, wie die Menschenorganisation MECH die Transformers studiert. Am Ende wird ihr Anführer Cyrus selbst zu einem Transformer (dank der Leiche von Breakdown) und was passiert? MECH wird ausgelöscht, Cyrus schließt sich den Decepticons an, die ihn dann sehr schnell kalt machen. Innerhalb einer Folge alles vorbei.
  • Bulkhead wird von einem Insecticon in den Rücken geschossen und verkrüppelt. Die Verletzung lässt ihn an sich zweifeln, er fühlt sich durch den Neuankömmling Smokescreen ersetzt, seine Freundschaft mit Miko kriselt… und zwei oder drei Folgen später ist alles wieder normal, Bulky ist nach ein paar Liegestützen wieder fit und keiner redet mehr von der Verletzung.
  • Optimus Prime bekommt den Star Saber, eine übermächtige Waffe, die die Decepticons erzittern lässt. Was passiert eine Folge später? Megatron schmiedet einen Dark Saber (und eröffnet uns dabei, dass das, was einen Prime ausmacht, scheinbar in seinem rechten Unterarm steckt), der Star Saber wird vernichtet, und Megatron packt den Dark Saber zurück in die Waffenkammer, wo er bis zum Staffelfinale versauert, und hält es auch nicht für nötig weitere Superwaffen zu schmieden. Alles also wieder auf Anfang.
  • Smokescreen wird im Cliffhanger einer Folge als das letzte Artefakt von Iacon identifiziert. Die Theorien überschlagen sich. Wird Smokescreen sich selbst opfern müssen, um Cybertron wiederzubeleben? Ist er in Wahrheit Alpha Trion? Wird er zum nächsten Prime? Und die Auflösung: er trägt das Artefakt einfach in sich und schwuppdiwupp wird es in der nächsten Folge aus ihm rausgeholt, alles wieder normal.
  • Dreadwing wird als Decepticon mit Ehrgefühl etabliert, beginnt an Megatron zu zweifeln und hilft am Ende sogar den Autobots als Revanche für Starscreams Mishandlung seines Bruders Skyquake… und wird dann von Megatron mit einem Schuss niedergestreckt, Ende. Da wäre deutlich mehr drin gewesen. Genauso bei Breakdown, der ebenfalls Zweifel an der Decepticon Sache hatte, aber dann im Off von Airrachnid getötet wurde, bevor was draus werden konnte.

So zieht sich das durch die ganze Staffel. Interessante Ansätze gab es zuhauf, aber in 99% der Fälle wurden sie spätestens zwei Folgen später wieder fallengelassen bzw. vollständig relativiert und der Fokus ging zurück auf die Jagd nach dem aktuellen Zaubergegenstand der Woche.

Lediglich das Staffelfinale reißt hier so einiges wieder raus, da in einer extrem vollgepackten Folge nicht nur praktisch alle Zaubergegenstände (scheinbar) vernichtet werden, sondern auch der Status Quo mal komplett auf den Kopf gestellt wird. Die Autobots verlieren ihre Basis, die Existenz der TFs auf Erden ist bekannt, die Decepticons sind übermächtig und die Autobots müssen fliehen. Dafür wird aber die über die zweite Staffelhälfte entwickelte Story um die mögliche Wiederbelebung Cybertrons innerhalb 5 Minuten wieder zunichte gemacht und die Erklärung, woher die Decepticons eigentlich den Standort der Autobot Basis plötzlich kannten fehlt auch komplett.

Charakterentwicklung

Was man Prime zugute halten muss, ist die außergewöhnlich gute Animation der Charaktere. Wie aber sieht es mit der Entwicklung jener Charaktere aus? Nun, da hatte Staffel 2 leider nicht wirklich viel zu bieten. Es gab Ansätze, wie oben schon erwähnt, z.B. als Bulkhead verletzt wurde, aber wirklich was geworden ist nicht draus und bis auf die steigende Frustration von Optimus Prime sind die Charaktere eigentlich noch genau die gleichen, die sie am Beginn der ersten Staffel waren.

Mein persönlicher Lieblingscharakter ist weiterhin Arcee, die auch die einzige echte Charakter-Folge in der Staffel hatte, nämlich als sie Miko von ihrem ersten Zusammentreffen mit Cliffjumper erzählte und wie schwierig es ist, nach erlittenem Verlust wieder andere an sich heranzulassen. Ansonsten aber? Nichts zu wollen.

Neue Charaktere gab es in Form von Smokescreen (im Prinzip Hot Rod oder auch Cheetor, eben der stereotype heißblütige Youngster, der sich beweisen will), Dreadwing (der Bruder von Skyquake, der im Stile von Beast Wars Dinobot trotz seiner bösen Wurzeln so etwas wie Ehre zu besitzen scheint) und Shockwave, der zwar nur in einem Flashback zu sehen war, im Teaser für Staffel 3 aber wieder auftaucht. Keine wirklichen Neuerungen also, speziell Dreadwing hatte für mich noch jede Menge Potential, was aber leider fast komplett ungenutzt geblieben ist und mit seinem wenig spektakulären Tod Ende der Staffel auch abgehakt ist. Obwohl es auf der einen Seite positiv ist, dass sich Prime auf seine Stammbesetzung konzentriert, so sollte mit dieser Konzentration doch auch mal ein wenig Charakterentwicklung einhergehen.

Regie

Mangelnde Story und Charakterentwicklung mal beiseite, Primes Stärke liegt neben der Animation ganz klar auch in der Regie. Speziell die Kampfszenen sind unglaublich gut in Szene gesetzt und auch mal aus ungewöhnlicher Perspektive, z.B. wenn man ein großes Gerangel aus Sicht von Miko oder Jake sieht, wo man sich dann wie ein Käfer vorkommt, der jeden Moment zertrampelt werden könnte. Schön auch die (für eine Transformers Serie) experimentellen Szenen, z.B. als Starscream im Hyperspeed zwischen den praktisch bewegungslosen Robotern hin und her huscht, während die Wassertropfen in Zeitlupe zu Boden fallen.

Fazit

Wirklich viel verändert hat sich von Staffel 1 zu Staffel 2 nicht. Die Stärken (Animation, Regie) sind noch stärker geworden, aber an den Schwächen (langweilige Artefakte-Jagd, Fallenlassen aller interessanten Story-Ansätze) hat sich leider nichts getan, eher im Gegenteil.

Die dritte Staffel Prime wird als neuen Untertitel „Beast Hunters“ tragen und zieht die Predacons als dritte Fraktion hinzu, urtümliche cybertronische Biest-Roboter. Glaubt man den Promo Bildern der zugehörigen Toys, dann hat das ganze so einen Hauch von „Masters of the Universe vs. Snake-Men“, wo die bestehenden Charaktere neue Panzerung / Waffen bekommen, um auf die Jagd nach besagten Biestern zu gehen. Hoffen wir mal, dass da was anständiges bei rauskommt.

Zum Abschluss meine Wunschliste für Staffel 3

  • Dass interessante Story-Ansätze auch mal weiterentwickelt werden, anstatt nach 2 Folgen im Nichts zu enden. Und ganz speziell dass die Umkehrung des Status Quo aus dem Staffelfinale auch mal eine Weile so bleibt und nicht nach drei Folgen wieder alles beim alten ist.
  • Dass in Beast Hunters nicht einfach der Zaubergegenstand der Woche durch die zu erlegende Bestie der Woche ersetzt wird.
  • Dass die bestehenden Charaktere auch mal weiterentwickelt werden bzw. sich nachhaltig verändern. Gerne darf auch mal jemand die Seiten wechseln.
  • Dass die Predacons nicht einfach nur „neue Decepticons“ sind, sondern sich auch mal wirklich von den anderen beiden Fraktionen unterscheiden bzw. für beide Seiten zu einer Gefahr werden.