Review Rex: Transformers Prime – Die 1. Staffel

Die erste Staffel der neuen Transformer Serie – Transformers Prime – ist nun vorbei, somit können wir mal eine erste Bilanz ziehen. Viele Leute – mich selbst eingeschlossen – gingen ja allein deshalb schon mal sehr, sehr skeptisch an diese neue Serie heran, weil sie Nachfolger der viel zu früh beendeten Serie Transformers Animated war und sich viele lieber eine vierte Staffel Animated anstatt einer neuen Serie gewünscht hätten. Aber davon lösen wir uns jetzt mal. Prime ist nicht Animated, es ist eine eigenständige Serie die nichts mit irgendeiner vorherigen Transformers Serie zu tun hat… also, zumindest auf dem Papier.

Teil 1: Die Guten

Für die Guten in Prime wird auf das in zahlreichen Serien bewährte Konzept der „Fünfer Band“ zurückgegriffen. Kennen wir aus Voltron, Power Rangers, Galaxy Rangers, Captain Planet, Transformers Animated, Beast Wars und zahlreichen anderen Serien. Im Fall von Prime sind die 5 Bandmitglieder:

  • Optimus Prime (Lead-Sänger / Held)
  • Ratchet (Keyboard / Der Schlaue)
  • Bulkhead (Drummer / Der Große)
  • Bumblebee (Bassgitarre / Der Junge Wilde)
  • Arcee (Background-Sängerin  / Die Quoten-Frau)

Okay, eigentlich starten wir ja mit sechs Autobots in die Serie, aber Cliffjumper geht so schnell drauf, dass er eigentlich nicht zählt. Die Fünferband bleibt bis Ende der Serie stabil, es gibt keine personellen Änderungen, auch wenn in der einen oder anderen Folge mal ein Verlust bzw. eine Verstärkung angedeutet wird.

Nun haben die meisten bisherigen Transformers Serien zwar auch gerne auf die Üblichen Verdächtigen zurückgegriffen, aber i.d.R. war doch mindestens ein bisher noch nie dagewesener Charakter dabei. Beast Wars hatte Rattrap, Animated hatte Bulkhead, etc. pp. Für Prime jedoch hat man es sich dann doch einfach gemacht und einfach auf die jeweils (vermeintlich) beliebtesten Charaktere der letzten paar Jahre zurückgegriffen. Optimus und Bumblebee sind fast 1:1 mit ihren Vorgängern aus den Kinofilmen identisch, Bulkhead und Ratchet sind direkt und praktisch unverändert aus Animated übernommen worden, lediglich Arcee stellt sich als semi-origineller Charakter dar, wobei sie in Prime doch auch starke Züge von Animated Prowl aufweist

Fazit zu den Guten also: Grundsolide, aber nichts wirklich Neues dabei. Hier ist man auf Nummer sicher gegangen.

Teil 2: Die Bösen

In den meisten Transformers Serien ist es so, dass die Guten deutlich zahlreicher sind als die Bösen. Um einen Kräfteausgleich zu schaffen sind die Bösen dafür entweder deutlich stärker (so z.B. bei Animated und der Unicron Trilogy) oder behelfen sich mit einer Armee von Dronen bzw. Klonen (Generation 1 Sweeps, Beast Machines Vehicons, Protoform TFs in den Kinofilmen). Transformers Prime macht ein bisschen von Beiden. Somit haben wir einen übermächtig wirkenden Megatron, den wie immer verschlagenen aber auch recht fähigen Starscream, und den wie immer treuen und effizienten Soundwave. Ihnen zur Seite steht eine schier endlose Anzahl an Auto- und Flugzeug-Dronen, die von den Autobots in regelmäßigen Abständen dezimiert werden, aber stets in erneut großer Zahl zurückkehren. Weitere „echte“ Decepticons stoßen im Laufe der Staffel hinzu. Diese sind:

  • Airrachnid (im Prinzip Animated BlackArachnia, nur diesmal richtig böse)
  • Knockout (ein eitler Fatzke und gleichzeitig Decepticon Mediziner)
  • Breakdown (das böse Gegenstück zu Bulkhead)

Außerdem tummeln sich ein paar Einmal-Bösewichter in der ersten Staffel, die aber für die Handlung nicht wirklich wichtig sind.

Insgesamt zeigen die Bösewichter in Transformers Prime mehr Originalität als die Guten. Klar, die Üblichen Verdächtigen sind auch hier dabei, aber zumindest Knockout ist ein in der Form noch nicht dagewesener Charakter (am ähnlichsten kommt ihm noch Tarantulas aus Beast Wars). Klar, endlose Horden gesichtsloser Decepticons hätte ich nun nicht gebraucht, mir wären ein paar mehr „echte“ Charaktere lieber gewesen, aber sei’s drum.

Teil 3: Die Menschen

Wie in den meisten Transformers Serien werden den Autobots auch hier wieder ein paar Menschenkinder an die Seite gestellt. Dies sind:

  • Jack (im Prinzip Spike bzw. Sam Witwicky, der charmante Loser)
  • Raph (der stereotype Streber mit der dicken Brille und dem universalen Computerwissen, Chip Chase lässt grüßen)
  • Miko (eine nervende asiatische Austauschschülerin und die einzige einigermaßen originelle unter den Menschenkindern)

In üblicher Manier sind die Menschenkinder hauptsächlich dazu da, den Autobots die Erde näher zu bringen und für die Zuschauer als Identifikation zu diesen. In der Story selbst allerdings sind sie meist eigentlich nur ein Ärgernis und bringen die Autobots meist in Schwierigkeiten. Lediglich in einer handvoll Folgen erweisen sich die drei auch mal als nützlich und greifen ihren großen Blechfreunden helfend unter die Arme. Ich war noch nie ein Fan der Kinder-Freunde der Autobots, egal in welcher Serie. Im Vergleich allerdings muss man sagen, dass die drei hier wesentlich weniger nervig rüberkommen als die meisten ihrer Vorgänger, aber über ihre Stereotypen kommen sie bisher zumindest nicht wirklich hinaus

Außerdem gibt es Agent Fowler, den Verbindungsmann zur US Regierung, die von der Anwesenheit der Autobots und Decepticons auf der Erde weiß. Fowler ist ein beinahe perfekter Klon von Agent Simmons aus den TF Kinofilmen, nur dicker und schwarz. Und gegen Ende der Staffel spielt außerdem Jacks Mutter eine größere Rolle, wobei sich auch ihre Charakterisierung bisher auf „macht sich Sorgen um die Kinder“ beschränkt. Abschließend gibt es noch eine böse Menschen-Organisation, deren Namen ich gerade vergessen habe (man kann sie der Einfachheit halber auch Cobra nennen), die auf die Technologie der Transformers scharf ist. Hier steckt vielleicht noch Potential drin, mal sehen.

Ansonsten kann man nur sagen, dass die Welt der ersten Staffel TF Prime bisher erstaunlich menschenleer ist. Denn neben den oben genanen und einer Handvoll Statisten hat man von der menschlichen Rasse bisher nicht viel gesehen.

Teil 4: Die Handlung

Kleiner Exkurs: Hasbro beharrt hartnäckig darauf, dass Transformers Prime in der gleichen Kontinuität spielt wie das Computerspiel „War for Cybertron“, was allerdings in vielen, vielen Details nicht zusammenpasst. Damit könnte man allerdings einen separaten Bericht füllen, deshalb nur so viel: Die zwei Stories passen nur mit zwei zugedrückten Augen zusammen.

Die grundlegende Hintergrundstory ist die Altbekannte: Die Decepticons wollen die Ressourcen der Erde plündern, die Autobots stehen ihnen entgegen. Ihre Heimat, Cybertron, ist vom Krieg verwüstet und praktisch tot. In dem Pilot-Dreiteiler wird dann der McGuffin der Serie vorgestellt, das Dark Energon (die einzige echte Gemeinsamkeit mit dem „War for Cybertron“ Computerspiel). Es gibt einen großen Endkampf, Megatron wird scheinbar zerstört und die Autobots sind durch die Zerstörung der Weltraumbrücke dauerhaft auf der Erde gestrandet.

Danach geht’s in die Einzelepisoden, die mit sehr wenigen Ausnahmen alle nach dem Prinzip ablaufen, dass sich am Ende nichts wirklich ändert. Die einzigen Ausnahmen sind die Wiederbelebung Megatrons in der Staffelmitte und dass Starscream gegen Staffelende von den Decepticons desertiert und sich alleine durchschlägt (die Klonarmee ist denke ich nur noch eine Frage der Zeit). Die Stories sind Altbekanntes von der Stange, was wirklich Originelles war jetzt nicht dabei. Meist wird der cybertronische Zaubergegenstand der Woche gesucht und/oder der neuste Bösewicht vorgestellt.

Erst zum Staffelende, als sich herausstellt, dass die Erde sich um den leblosen Körper von Unicron herum gebildet hat, wird es spannend. Also, ein wenig zumindest. Nach einem furios inszenierten Kampf Megatron gegen Optimus Prime, der optisch wirklich spitzenmäßig war, folgt die unvermeidbare Allianz gegen den gemeinsamen Feind, diesmal um die Problematik erweitert, dass man Unicron nicht einfach zerstören kann, ohne dabei die Erde auszulöschen.

Der große Endkampf schließlich ist ziemlich enttäuschend. Mit viel Geballer erreicht man das Zentrum der Erde, Optimus öffnet die Matrix der Führerschaft und aus ist es mit Unicron, also im Prinzip 1:1 die Finalsequenz aus dem 1986er Transformers Kinofilm, nur mit Optimus und Megatron statt Rodimus und Galvatron. Lediglich der Schluss-Cliffhanger, dass Optimus sein Gedächtnis verliert und sich wieder als Orion Pax und Freund von Megatron empfindet gibt dem Ganzen nochmal etwas Würze. Insgesamt aber ein eher enttäuschendes Ende eines mit viel Tamtam begonnenen Staffelfinales.

Teil 5: Look & Feel

Transformers Prime ist die erste komplett computeranimierte Transformers Serie seit Beast Machines, welche immerhin ja schon 12 Jahre zurückliegt. Insofern sollte man hier in punkto Fortschritt ja doch einiges erwarten. Die Erwartungen wurden erfüllt… teilweise.

Das Positive sind definitiv die Transformers selbst. Gefällt mir persönlich deutlich besser als die CGI Monster aus den Kinofilmen, denn trotz Detailreichtum sehen die Roboter noch immer ganzheitlich aus und nicht wie eine wilde Aneinanderreihung von Einzelteilen. Ob einem die animierten Gesichter gefallen ist sicherlich Geschmackssache, aber ich persönlich mag meine Charaktere lieber mit Mimik als ohne (TF Energon ist hier ein absolutes Negativbeispiel), insofern geht das für mich voll in Ordnung.

Anfangs negativ, im Laufe der Staffel allerdings deutlich besser: die Umgebung. In dem Pilot-Mehrteiler hatten wir eigentlich nur absolut glatte Oberflächen, auf denen sich alle Ereignisse abgespielt haben. Da waren die Landschaften 1996 bei Beast Wars teils sogar detailreicher. Aber wie gesagt, hat sich im Laufe der Serie klar verbessert.

Für mich persönlich negativ: die Menschen. Klar, das leicht cartoonige Aussehen ist mit Sicherheit so beabsichtigt und an die Erfolgsserie Star Wars: Clone Wars angelehnt, mein Ding ist es aber nicht. Das muss aber natürlich jeder selbst beurteilen.

Für mich aber ganz klar ein Negativfaktor: die Leere der virtuellen Welt. Alle Folgen spielen in der gleichen 0815 zerklüfteten Wüstenumgebung. Menschen sind kaum zu sehen, Gebäude nur mal hier und da. Nun kann man sicherlich sagen, dass auch die ursprüngliche Transformers Serie zu 90% in der immer gleichen Wüstenumgebung gespielt hat, stimmt schon. Aber das war 1984 und eine von Hand gezeichnete Serie. Beast Wars hat 1996 deutlich mehr Abwechslung in die Umgebung gebracht (Dschungel, Schnee, Berge, Wüste, Unterwasser, etc.) und das mit deutlich primitiveren Mitteln. Hier muss für Staffel 2 aus meiner Sicht also deutlich mehr geboten werden.

Fazit insgesamt: Die erste Staffel Transformers Prime hat mich mit sehr gemischten Gefühlen zurückgelassen. Sie war insgesamt sicherlich nicht so langweilig, wie es nach dem Pilotfilm den Eindruck machte, aber die Serie krankt für mich ein wenig daran, dass ihr der Mut fehlt, was Neues zu probieren. Fast alle Stories und Charaktere sind aus anderen Transformers Serien bzw. den Kinofilmen fast 1:1 abgekupfert, in der ganzen Staffel passiert vom Pilotfilm und dem Staffelfinale mal abgesehen eigentlich nichts von Konsequenz und Unicron als Oberbedrohung hatten wir auch schon x-mal. Okay, die Variante dass die Erde und Unicron ein und dasselbe sind war ein origineller Einfall, aber das allein rettet es für mich nicht.

Transformers Prime kann optisch beeindrucken, keine Frage. Der Kampf Megatron gegen Optimus Prime in „One Shall Fall“ ist der visuell beste seit dem 1986er Kinofilm. Die computeranimierten Charaktere sehen gut aus, bewegen sich flüssig, und die Kampfszenen sind erste Sahne. Aber leider hört es da in vielerlei Hinsicht auch schon auf. Keiner der Charaktere hat sich im Laufe der Staffel wirklich weiterentwickelt, wir haben genau die gleiche Besetzung wie im Pilot (den Tod von Cliffjumper mal außen vor gelassen) und auch die Ausgangslage ist nach dem Staffelfinale eigentlich wieder 1:1 die gleiche wie am Anfang. Ein Jahr rotiert und alles zurück auf Anfang. Somit bleibt bei mir der Eindruck zurück, dass man bei Hasbro wirklich auf Nummer sicher gehen wollte und nicht bereit war, mit dieser neuen Produktion im Fahrwasser der brillanten Animated Serie irgendwas zu riskieren. Und genau das kam halt dann auch raus: eine solide, grundsätzlich unterhaltsame Serie, die aber irgendwie den Beigeschmack von aufgewärmten Fast Food hat. Mal ganz lecker, aber nicht auf Dauer.

Bleibt zu hoffen dass Transformers Prime nach einer mäßigen ersten Staffel im zweiten Jahr etwas mutiger wird und auch mal Neues probiert, anstatt einfach nur Bewährtes zu kopieren. Potential ist durchaus da, aber es muss halt auch genutzt werden.

 

Wunschliste für Staffel 2:

  • Abwechslungsreichere Szenerie, sei es auf der Erde oder auch gerne mal auf Cybertron
  • Weniger cybertronische Zaubergegenstände der Woche
  • Mehr Fokus darauf, was eigentlich die langfristigen Pläne von Bots und Cons sind.
  • Dass die Bruder-ähnliche Beziehung zwischen Optimus/Orion und Megatron vertieft wird und sich Optimus‘ Gedächtnisverlust nicht nach einer einzigen Folge gleich wieder relativiert.