Fan Archetypen

Es ist immer wieder interessant zu sehen, dass es Leute gibt, die das Fan-Sein deutlich zu ernst nehmen bzw. glauben, dass sie die einzigen sind, die jene Sache, von der sie Fan sind, richtig verstehen und begreifen. Das ist keinesfalls auf mein persönliches Lieblings-Hobby Transformers beschränkt, aber natürlich kenne ich hier ein paar sehr schöne Beispiele:

Der „Die-sollten-mich-mal-fragen“ Typ:

Seit nunmehr 26 Jahren macht Hasbro mit den Transformers ordentlich Kohle. Sicher, es gab mal fettere und mal magerere Jahre, aber unterm Strich kann man glaube ich guten Gewissens sagen, dass die verwandelbaren Roboter wirtschaftlich gesehen ein Erfolg sind.

Was aber nicht bedeutet, dass es nicht alles viel besser laufen könnte, wenn diese schnöden Wirtschaftsbosse endlich aufwachen und die Leute ranlassen würden, die wirklich von Transformers Ahnung haben. Dies sind meist Leute zwischen Anfang Zwanzig und Mitte Dreißig, die auf der einen Seite ganz genau wissen, was die Kinder von heute wollen (was zufälligerweise genau das ist, was sie selbst wollen) und auf der anderen Seite großherzig genug sind, dieses Wissen mit den weltfremden Managern und Entwicklern zu teilen. Scheiß auf Marktstudien, Erfahrungswerte und die Millionen von Dollar an Umsatz. Die wissen es viel besser.

Es gibt keinen Unterschied zwischen den Geschmäckern unserer Generation und der jetzigen. Deshalb stehen Kinder auch immer auf die gleiche Musik wie ihre Eltern. 😉

Der „Ich-kann-das-beurteilen“ Typ:

Es ist immer das gleiche, wenn die ersten unscharfen, verschwommenen, mies belichteten Fotos einer neuen Transformers Figur im Netz auftauchen. Alle gucken sie sich an und es ist mit Sicherheit mindestens ein Experte dabei, der jetzt schon genau sagen kann, wie sich die Figur verwandelt, wie die beiden (oder drei oder vier, etc.) Modi korrekt transformiert werden und ob die Figur ein Renner oder eine Niete ist. Die haben halt eine Fähigkeit dafür entwickelt, sowas schon mit dem ersten Blick zu beurteilen. Und jeder der das nicht zu würdigen weiß ist ein tyrannischer Penner, der ja nur eifersüchtig ist.

Der „Ruined Forever“ Typ:

Manche Fans wissen, dass eine langlebige, wirtschaftlich robuste und fast stetig erfolgreiche Spielzeugreihe wie Transformers in Wirklichkeit zerbrechlich ist wie Glas. Eine falsche Entscheidung kann alles ruinieren und die Transformers in die dunkle Grube vergessener Spielzeugserien hinabstürzen lassen. Glaubt ihr nicht? Oh doch, es ist so.

Optimus wurde vom LKW zum Affen und Transformers war für immer ruiniert. Transformers verkaufte sich mit Armada an die Pokemon-Generation und war für immer ruiniert. Michael Bay zeigte uns Transformers im Metallsplitter-durch-den-Wolf-gedreht Look und Transformers war für immer ruiniert. Lasst euch nicht davon täuschen, dass es trotzdem immer noch Transformers gibt und sie erfolgreicher sind denn je. Das Ende lauert hinter jeder Ecke.

Der „Hasbro-hasst-die-Fans“ Typ:

Eigentlich sollte man meinen dass eine Firma wie Hasbro, die ihr Geld damit verdient Spielzeuge zu verkaufen, durchaus daran interessiert ist, ihr Produkt für möglichst viele Leute attraktiv zu machen. Aber manche Leute wissen es besser, denn Hasbro hasst seine Kunden und ganz besonders die langjährigen Fans, die sie überhaupt erst groß gemacht haben. Glaubt ihr nicht? Aber es ist so, sonst würde Hasbro wohl kaum in erschreckender Regelmäßigkeit wieder einen neuen Bumblebee rausbringen, der wieder ein winzig kleines Gimmick oder Detail anders hat und damit die Fans zwingen, ihn zu kaufen. Und sie würden uns nicht auf böswillige Art und Weise jedesmal aufs Neue mit aufpolierten Promo-Pics verführen, die viel hochwertiger wirken als die später tatsächlich erhältlichen Figuren.

Hasbro hasst uns, denn sonst würden sie viel mehr Chrom und G1-getreuere Farben für ihre Figuren nehmen, so wie es die Halbgötter von Takara-Tomy tun, denn die lieben ihre Fans. Nicht aber Hasbro. Hasbro hasst uns. Deshalb quälen sie uns mit falschen Namen (der heißt Bombshell, nicht Hardshell verdammt nochmal!!!), kastrierten Auspuffrohren an Optimus Primes Schultern (nur weil sich so ein blödes Balg damit die Augen ausstechen könnte!!!), und ganz besonders mit Drift! Wir hassen Drift! Seid verdammt dafür, dass ihr uns zwingt ihn jetzt auch noch als Spielzeug zu kaufen!

Der „Den-hatte-ich-als-Kind“ Typ:

Dieser spezielle Typ Fan existiert besonders in den USA und gibt sich besonders dann zu erkennen, wenn es um den 20th Anniversary Optimus Prime (bzw. die japanische Variante Masterpiece Convoy) geht. Denn diese Fans wissen: Den hatten sie als Kind. Genau den. Dass der angeblich erst 2004 gebaut wurde ist eine dreiste Lüge von Hasbro (denn Hasbro hasst die Fans, siehe oben). Glaubt ihr nicht? Doch, diese Leute gibt’s. Wir alle mussten bis 2004 auf den besten Optimus Prime überhaupt warten, aber sie hatten ihn als Kind und eines Tages werden sie ihn auf dem Dachboden finden und es der Welt beweisen. Schon beneidenswert.

Der „Warum-sind-die-TFs-bei-uns-so-teuer“ Typ:

Ja, die Figuren kosten hier in Deutschland mehr als in den USA. Weil in den USA die Löhne niedriger sind. Weil in den USA die Mehrwertsteuer nicht mit auf dem Preisschild steht sondern nachträglich berechnet wird. Weil in den USA keine Extrakosten für eine CE-Sicherheitszertifizierung entstehen. Weil Europa für die großen Spielzeugfirmen ein sekundärer Markt ist. Ich könnte noch eine Weile so weitermachen. Es ist so. Findet euch damit ab. Und nein, Zoll & Einfuhrumsatzsteuer zu zahlen ist keine Abzocke durch den Staat, sondern einfach der Ausgleich dafür, dass wir als nicht-US-Bürger beim Einkauf in amerikanischen Online-Shops keine Mehrwertsteuer zahlen. Und für den (aus Importeur-Sicht) miesen Euro-Dollar-Wechselkurs könnt ihr euch bei Griechenland und diversen Politikern in ganz Europa bedanken.